Die meisten Menschen kommen mit derselben Frage zu uns: „Sind das Mückenstiche oder etwas anderes?“ Und fast immer haben sie sich die Stellen schon dreimal angeschaut, ohne schlauer zu sein.
Es gibt zum Glück ein paar Merkmale, die ziemlich zuverlässig sind. Wichtiger als das Aussehen der einzelnen Stelle ist dabei wo sie sitzt und wie sie angeordnet ist.
Die drei Merkmale, auf die ich zuerst schaue
Erstens die Anordnung. Flöhe stechen selten einmal. Sie laufen ein Stück, stechen, laufen weiter, stechen wieder. Das ergibt oft drei bis fünf Stellen in einer Linie oder in einer engen Gruppe. Im Englischen heißt das treffend „breakfast, lunch and dinner“. Ein Mückenstich sitzt dagegen meistens allein.
Zweitens die Höhe am Körper. Flöhe springen vom Boden, aus dem Teppich, aus der Ritze im Dielenboden. Deshalb finden sich Flohbisse überwiegend an Fußgelenken, Unterschenkeln und Waden. Wer morgens Stellen an Schultern, Hals oder Armen hat, hat vermutlich etwas anderes.
Drittens die Reaktion. Ein Flohbiss ist typischerweise ein kleiner, geröteter Punkt mit einem winzigen dunkleren Zentrum, drumherum ein blasser Hof. Er juckt sofort und oft heftiger und länger als ein Mückenstich.
Floh, Mücke oder Bettwanze?
Diese drei werden am häufigsten verwechselt, und die Unterscheidung entscheidet darüber, was Sie als Nächstes tun.
Mücke: einzelne, eher große und weiche Quaddel, überall am Körper, auch an unbedeckten Armen und im Gesicht. Juckt kurz, klingt schnell ab.
Floh: kleine, feste Punkte in Gruppen oder Reihen, Schwerpunkt an den Beinen unterhalb der Knie. Sehr starker Juckreiz.
Bettwanze: ebenfalls Reihen, aber typischerweise an Körperstellen, die nachts unbedeckt am Laken liegen – Schultern, Rücken, Nacken, Arme. Die Stiche fallen morgens auf, nicht abends. Dazu kommen kleine dunkle Kotpünktchen an Matratzennaht und Lattenrost. Wenn Sie diese Punkte finden, sprechen wir nicht über Flöhe.
Ein praktischer Hinweis aus der Erfahrung: Wer ein Haustier hat und Stellen an den Knöcheln, hat meistens Flöhe. Wer kein Haustier hat und Stellen an den Schultern, meistens nicht.
Der Test mit den weißen Socken
Bevor Sie etwas kaufen, machen Sie diesen Test. Er kostet nichts und ist erstaunlich aussagekräftig.
Ziehen Sie weiße Kniestrümpfe an und laufen Sie langsam einige Minuten durch die verdächtigen Räume, besonders über Teppiche und an Sockelleisten entlang. Flöhe reagieren auf Erschütterung und Wärme, springen hoch und bleiben an der hellen Wolle sichtbar sitzen. Ein zweiter Weg: eine flache Schale mit Wasser und einem Tropfen Spülmittel nachts auf den Boden stellen, eine kleine Lampe daneben. Am Morgen sehen Sie, ob etwas drin ist.
Warum das Tier selten das eigentliche Problem ist
Das ist der Punkt, an dem die meisten Behandlungen scheitern. Nur etwa fünf Prozent eines Flohbefalls sind erwachsene Flöhe. Der große Rest sind Eier, Larven und Puppen – und die sitzen nicht auf dem Tier, sondern in der Umgebung: in Teppichen, zwischen Dielen, unter Sockelleisten, im Sofa, im Hundekorb.
Ein erwachsenes Weibchen legt pro Tag mehrere Dutzend Eier. Die fallen vom Tier herunter und verteilen sich überall dort, wo es sich aufhält.
Besonders unangenehm sind die Puppen. Sie können monatelang ruhen und schlüpfen erst, wenn Erschütterung, Wärme und Kohlendioxid ein Wirtstier ankündigen. Deshalb passiert dieser Klassiker: Eine Familie kommt aus dem Urlaub zurück, macht die Wohnungstür auf – und wird innerhalb einer Stunde gebissen, obwohl vorher wochenlang nichts war.
Was im Haushalt wirklich hilft
Diese vier Dinge machen den Unterschied, und zwar in dieser Reihenfolge:
- Das Tier behandeln, über den Tierarzt. Ohne diesen Schritt ist alles andere Zeitverschwendung, weil ständig neue Eier nachkommen. Präparate aus dem Supermarkt wirken oft schwächer als das, was der Tierarzt gibt.
- Gründlich und häufig saugen. Täglich, mit Schwerpunkt auf Teppichen, Sofaritzen, unter Betten und entlang der Sockelleisten. Die Vibration lockt sogar Puppen zum Schlüpfen – das ist erwünscht, denn geschlüpfte Tiere sind angreifbar. Beutel danach draußen entsorgen.
- Textilien heiß waschen. Hundedecke, Katzenkissen, Bettwäsche, Läufer: 60 Grad, wo es das Material erlaubt. Was nicht gewaschen werden kann, für mehrere Tage in den Gefrierschrank.
- Ritzen ernst nehmen. Zwischen Dielenbrettern und hinter Sockelleisten sitzt der eigentliche Bestand. Wer nur die freie Fläche behandelt, lässt die Kinderstube unangetastet.
Was dagegen wenig bringt: Ultraschallstecker, Duftöle und das reine Absprühen der Luft. Ich sehe regelmäßig Haushalte, in denen alles davon parallel läuft und die Tiere trotzdem jede Nacht springen.
Wann Sie uns anrufen sollten
Bei einem frisch eingeschleppten Floh und einem behandelten Haustier bekommen Sie das oft selbst in den Griff. Rufen Sie an, wenn einer dieser Punkte zutrifft:
- Die Bisse kommen seit mehr als zwei bis drei Wochen wieder, obwohl das Tier behandelt ist.
- Sie haben gar kein Haustier. Dann sind meistens Igel, Marder oder Vögel im Dach die Quelle, oder die Tiere kamen mit dem Vormieter – das gehört gesucht, nicht geraten.
- Der Befall betrifft mehrere Räume oder mehrere Wohnungen im Haus.
- Es sind sehr viele Tiere, oder Sie reagieren stark allergisch auf die Bisse.
Was wir dann machen, ist nicht einfach sprühen. Wir bestimmen erst die Art – Katzenfloh, Hundefloh, Igelfloh und Vogelfloh haben unterschiedliche Quellen – und behandeln dann gezielt die Entwicklungsstadien in Ritzen, Teppichen und Polstern, meist mit einem Mittel, das auch die Larvenentwicklung unterbricht. Nach zwei bis drei Wochen kommt eine Nachkontrolle, weil aus ruhenden Puppen noch Tiere nachschlüpfen. Ohne diesen zweiten Termin kommt der Befall in vielen Fällen zurück.
Und wenn sich herausstellt, dass es doch keine Flöhe waren, sagen wir Ihnen das ebenso deutlich. Das kommt öfter vor, als man denkt.
