Die meisten Anrufe wegen Ratten im Haus beginnen im Keller. Jemand holt Getränke oder geht an die Waschmaschine, sieht dunkle Krümel an der Wand und fragt sich: Maus oder Ratte? Die zweithäufigste Variante ist ein Geräusch – ein Kratzen in der Wand, das nachts lauter ist, als eine Maus sein dürfte.
Beides lässt sich meist schon am Telefon ziemlich sicher einordnen. Dieser Ratgeber zeigt, woran Sie eine Ratte im Haus erkennen, wie sie hereinkommt, was Sie bis zum Termin tun können – und welche gut gemeinten Maßnahmen die Sache erfahrungsgemäß schlimmer machen. Um Tiere im Garten, am Kompost und unter der Terrasse geht es in einem eigenen Ratgeber: Ratten im Garten.
Ratte oder Maus? Die Spuren richtig lesen
Die Tiere selbst sehen Sie selten. Ratten sind nachtaktiv und meiden den Menschen, und wer eine am helllichten Tag durch den Keller laufen sieht, hat meist schon einen größeren Bestand im Haus. Umso wichtiger sind die Spuren, die sie hinterlassen. Diese Übersicht hilft bei der ersten Einordnung:
| Merkmal | Ratte | Maus |
|---|---|---|
| Kot | 1 bis 2 cm, spindelförmig, oft gehäuft an Laufwegen | 3 bis 6 mm, reiskorngroß, verstreut |
| Nagespuren | grob, breite Fraßstellen an Holz, Kunststoff, Säcken | fein, kleine Löcher in Verpackungen |
| Laufwege | dunkle, fettig glänzende Streifen an Wandkanten und Rohren | kaum sichtbar |
| Geräusche | kräftiges Kratzen, Schleifen und Nagen in Wand oder Boden | leises Trippeln und Rascheln |
| Geruch | streng und stechend, schon bei mittlerem Befall | muffig, erst bei stärkerem Befall |
| Löcher | etwa faustgroß, oft am Fundament oder unter Platten | etwa fingerdick |
Fast immer ist es übrigens die Wanderratte. Sie lebt am Boden, in Kellern, Kanälen und Erdbauen und kommt deshalb von unten ins Haus. Die kleinere, schlankere Hausratte klettert und lebt eher im Dachboden – sie ist in Deutschland aber selten geworden. Wenn es unter dem Dach poltert, sind Marder, Siebenschläfer oder Mäuse die wahrscheinlicheren Verursacher. Wie sie sich unterscheiden, steht im Ratgeber Siebenschläfer im Haus.
Wie Ratten ins Haus kommen
Eine erwachsene Wanderratte braucht eine Öffnung von etwa zwei Zentimetern – ungefähr die Breite eines Daumens. Das ist weniger, als die meisten vermuten. Die Wege, die wir in Wohnhäusern am häufigsten finden:
- Bodenabläufe im Keller ohne funktionierenden Rückstauverschluss. In älteren Gebäuden fehlt er oft ganz oder ist festgerostet.
- Schadhafte Anschlussleitungen: verschobene Rohrverbindungen, eingewachsene Wurzeln oder Risse, durch die die Tiere aus dem Erdreich in die Leitung und von dort ins Haus gelangen.
- Rohr- und Kabeldurchführungen in der Kellerwand, die nur mit Bauschaum oder gar nicht verschlossen sind.
- Lichtschächte und Kellerfenster ohne Gitter oder mit durchgerostetem Gitter.
- Kellertüren und Garagentore mit einem Spalt am Boden.
- Die Toilette. Das kommt vor, ist aber seltener, als die Schlagzeilen vermuten lassen – meist im Erdgeschoss oder Souterrain und oft in Verbindung mit einem Schaden an der Leitung.
Wichtig zu verstehen: Eine Ratte, die im Keller auftaucht, war selten auf der Durchreise. Sie hat einen Weg gefunden, und dieser Weg bleibt offen, bis ihn jemand schließt. Bis dahin rückt für jedes gefangene Tier das nächste nach.
Wie gefährlich sind Ratten im Haus?
Panik ist nicht nötig, Ignorieren aber auch nicht. Ratten können über Urin, Kot und angefressene Lebensmittel Krankheitserreger übertragen, darunter Leptospiren und Salmonellen. Für den Alltag heißt das vor allem: Vorräte, an denen Tiere waren, gehören in den Müll, und verschmutzte Flächen werden feucht gereinigt, nicht gefegt.
Unterschätzt wird meist der Sachschaden. Ratten müssen ständig nagen, weil ihre Schneidezähne nachwachsen. Angefressene Stromleitungen können Kurzschlüsse und im schlimmsten Fall Brände auslösen, beschädigte Abwasserrohre und Dämmung führen zu Feuchteschäden. Bis so etwas auffällt, ist die Reparatur oft teurer als die Bekämpfung selbst.
Warum gerade im Herbst und Winter
Ab Oktober werden die Nächte kalt, Gärten und Terrassen werden abgeräumt, und draußen gibt es weniger Deckung und weniger Essensreste. Tiere, die den Sommer am Kompost, am Bach oder im Kanal verbracht haben, suchen dann die Nähe von Gebäuden. Keller, Garage, Holzlager und Heizungsraum sind genau das, was sie brauchen: warm, trocken, ruhig.
Wer im Herbst Spuren findet, hat es deshalb meist mit dem Anfang eines Winterquartiers zu tun. Zögern Sie nicht zu lange. Wanderratten vermehren sich das ganze Jahr über, und ein Befall, der im Oktober mit wenigen Tieren beginnt, kann bis zum Frühjahr deutlich größer sein.
Was Sie sofort tun sollten
Zwischen der ersten Spur und dem Termin beim Fachbetrieb liegen oft ein oder zwei Tage. Diese Zeit können Sie gut nutzen:
- Nahrung unerreichbar machen. Vorräte im Keller in Metall- oder Glasbehälter umfüllen, Tierfutter nicht offen stehen lassen, Müll- und Biotonnen schließen, kein Vogelfutter mehr am Haus.
- Den Weg eingrenzen. Sehen Sie sich Bodenabläufe, Lichtschächte, Rohrdurchführungen und Türspalten an – aber verschließen Sie noch nichts dauerhaft. Warum, steht weiter unten.
- Festhalten, was Sie sehen. Ein paar Handyfotos von Kot, Nagespuren und Löchern helfen bei der Einordnung und später gegenüber Vermieter, Hausverwaltung oder Versicherung.
- Nur reinigen, wo es sein muss. Kot und Schmierspuren im Keller lassen Sie bis zum Termin am besten liegen – sie zeigen uns die Laufwege. In Küche und Vorratsbereich dagegen gleich sauber machen: Handschuhe anziehen, die Stellen mit Wasser und etwas Reinigungsmittel anfeuchten, dann aufnehmen und die Fläche desinfizieren. Nie trocken fegen oder aufsaugen, sonst atmen Sie belasteten Staub ein.
- Bescheid geben. Wer zur Miete wohnt, informiert Vermieter oder Hausverwaltung – am besten schriftlich und mit Datum.
Was die Lage verschlimmert
Gut gemeint und immer wieder gesehen – diese vier Dinge kosten hinterher Zeit und Geld:
- Gift aus dem Baumarkt offen auslegen. Das ist für Privatpersonen nicht zulässig, gefährdet Kinder, Haustiere und Wildtiere und verzögert die eigentliche Bekämpfung, weil die Ratten danach misstrauischer sind. Was erlaubt ist und was nicht, steht im Ratgeber Rattengift: Was Privatpersonen wissen müssen.
- Löcher mit Bauschaum zuspritzen. Den nagen Ratten in einer Nacht durch. Schlimmer noch: Die Stelle, an der sich der Laufweg hätte ablesen lassen, ist danach verschmiert, und die Tiere suchen sich einfach einen neuen Weg.
- Eine einzelne Schlagfalle aufstellen. Wo eine Ratte ist, sind meistens mehrere. Eine Falle erwischt vielleicht ein Tier – die übrigen werden dadurch vorsichtiger.
- Abwarten, weil es „nur eine“ war. Ein Befall im Keller bleibt selten dort. Über Leitungsschächte erreicht er in Mehrfamilienhäusern schnell auch die Nachbarn.
Mieter, Vermieter, Gemeinde: wer muss was tun?
Als Mieterin oder Mieter müssen Sie einen Rattenbefall dem Vermieter unverzüglich melden. Die Beseitigung ist dann in aller Regel dessen Sache, weil der Befall das Gebäude betrifft – es sei denn, er ist nachweislich durch eigenes Verhalten entstanden. Ausführlich steht das im Ratgeber Wer zahlt die Schädlingsbekämpfung?.
Unabhängig davon schreiben viele Gemeinden eine Meldepflicht für Rattenbefall vor, je nach Ort in einer Satzung oder einer Polizeiverordnung. Ob das bei Ihnen gilt, weiß das Ordnungsamt. Ein Nachteil ist die Meldung nicht: Liegt die Ursache im öffentlichen Kanal, ist die Gemeinde beziehungsweise der Kanalnetzbetreiber zuständig. Für die Anschlussleitung auf dem eigenen Grundstück und den Rückstauverschluss im Haus bleibt allerdings der Eigentümer verantwortlich.
Hinweis: Diese Angaben sind eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind Ihr Mietvertrag, die Vorschriften Ihrer Gemeinde und im Streitfall anwaltlicher Rat.
So läuft eine Bekämpfung im Haus ab
Wie wir vorgehen, beschreibt die Seite zur Rattenbekämpfung im Detail. In Kürze:
- eine Befallsaufnahme mit der zentralen Frage, ob die Tiere aus dem Kanal oder von außen kommen,
- ein Plan mit nummerierten, verschlossenen Köderstationen oder – in Wohnräumen und bei Kindern und Haustieren – mit Schlagfallen,
- Kontrollen anfangs nach wenigen Tagen, danach etwa wöchentlich, bis keine Aktivität mehr feststellbar ist,
- am Ende der bauliche Verschluss mit Rückstauverschluss, Gittern und Metall an den Durchführungen, dazu ein schriftlicher Nachweis.
Rechnen Sie mit mehreren Wochen und zwei bis vier Terminen. Das heißt nicht, dass es nicht wirkt – es liegt an der Vorsicht der Tiere: Ratten fressen von etwas Neuem erst, wenn sie es für ungefährlich halten.
Wann Sie uns rufen sollten
- Sie haben Rattenkot oder Schmierspuren im Keller, in der Küche oder in der Garage gefunden.
- Sie hören nachts kräftiges Kratzen oder Nagen in Wänden, Decken oder unter dem Boden.
- Im Haus riecht es streng, ohne dass Sie eine Ursache finden.
- Sie wohnen in einem Mehrfamilienhaus und die Nachbarn haben dasselbe Problem.
- Im Haushalt leben Kinder oder Haustiere, und Sie wollen mit Ködern kein Risiko eingehen.
Rufen Sie an und beschreiben Sie kurz, was Sie gesehen haben; oft lässt sich schon am Telefon einschätzen, wie dringend es ist. Bei akutem Befall erreichen Sie unseren Notdienst auch kurzfristig – wir sind in vielen Städten vor Ort.
